b) Vierzehn ausgewählte Briefe Beethovens zu seiner Messe op. 86

 

Zitiert nach:  Ludwig van Beethoven, Briefwechsel Gesamtausgabe, Im Auftrag des Beethoven-Hauses Bonn herausgegeben von Sieghard Brandenburg, 7 Bände, München 1996.

 

Beethovens Briefwechsel gibt als unverzichtbare Quelle Einblick in seine Arbeitsweise, künstlerische Haltung und Persönlichkeit. Einige Beispiele — aus dem Zeitraum vor der Uraufführung der C-Dur-Messe am 13. September 1807 in Eisenstadt über die 1812 erfolgte Drucklegung hinaus — sind hier angefügt. Ich habe unten nur den reinen Brieftext wiedergegeben; den umfangreichen Anmerkungsapparat finden Sie in der oben genannten Ausgabe. Die im Beethoven-Haus vorhandenen autographen Briefe können Sie einsehen unter www.beethoven-haus-bonn.de (im digitalen Archiv). Dort finden Sie auch Kommentare und zusammenfassende Inhaltsangaben und können sich die Briefe sogar anhören (Hörbriefe)!

Beate Angelika Kraus

 

 

1.)   an Fürst Nikolaus Esterházy in Eisenstadt

[Baden, 26. Juli 1807]

Durchlauchtigster, Gnädigster Fürst!

Da man mir sagt, daß sie mein Fürst nach der Messe gefragt, die sie mir aufgetragen für sie zu schreiben, so nehme ich mir die Freyheit, ihnen durchlauchtigster Fürst zu verkünden, daß sie solche spätstens bis zum 20ten August-Monath erhalten Werden - Wo alsdenn Zeit genug seyn wird, solche auf den Namens-Tag der Durchlauchtigsten Fürstin aufzuführen - außerordentliche Vortheilhafte Bedingungen, die mir von London gemacht wurden, als ich das unglück hatte mit einem Benefice Tag im Theater durchzufallen, und die mich die Noth mit Freuden ergreifen machen muste, verzögerten die Verfertigung der Messe, so sehr ich es auch gewünscht, damit vor ihnen Durchlauchtigster Fürst zu erscheinen, dazu kam später eine Kopfkrankheit, welche mir anfangs gar nicht und später und selbst jezt noch nur wenig zu arbeiten erlaubte; - da man mir alles so gern zum Nachtheil aus legt, lege ich ihnen d.[urchlauchtigster] F.[ürst] einen von den Briefen meines Arztes hierhin bey - darf ich noch sagen, daß ich ihnen mit viel Furcht die Messe übergeben werde, da sie D. F. gewohnt sind, die Unnachamlichen Meisterstücke des Großen Haidns sich vortragen zu laßen - Durchlauchtigster, Gnädigster Fürst! –

 

mit Hochachtung ergebenster unterthänigster

Ludwig Van Beethowen

Baden am 26ten Juli -

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 3 beschriebene Seiten; Budapest, Széchényi-Nationalbibliothek.

 

 

 

 

2.)   an Gräfin Josephine Deym

Heiglnstadt am 20ten September [1807]

Liebe, geliebte, einzige J.! - auch wieder nur einige Zeilen von ihnen - machen mir große Freude - Wie oft habe ich geliebte J. mit mir selbst gekämpft, um das Verbot, welches ich mir auferlegte, nicht zu überschreiten - aber Es ist vergebens, Tausend Stimmen flüstern mir immer zu, daß sie meine einzige Freundin meine einzige Geliebte sind - ich vermag es nicht mehr zu halten, was ich mir selbst auferlegt, o liebe J., lassen sie unß unbekümmert auf jenem Weege wandeln, worauf wir oft so glücklich waren - Morgen oder übermorgen sehe ich sie, möge der Himmel mir eine ungestörte Stunde bescheeren, wo ich mit ihnen bin, um einmal die lange Entbehrte unterredung zu haben, wo einmal wieder mein Herz und meine Seele <sich>ihnen wieder begegnen kann - mein Zustand war bisher noch immer leidend, doch geht es allgemach <immer> beßer - als Schwester Therese da war, war es noch übel mit mir, und beynahe noch diesen ganzen Monath - meine Empfindlichkeit ließ mich nirgends auch bey meinen besten Freunden nicht aus halten - anfangs September gieng ich nach Heilgnstadt, das mir aber nicht wohl bekommen wollte, mußte wieder in die Stadt, dann war ich unten in Eisenstadt bey Fürst EsterHazi wo man meine Meße aufführte - wo ich vor einigen Tägen wieder zurückgekommen, kaum war ich einen Tag wieder in Vien angelangt, so war ich 2 mal bey ihnen - konnte aber nicht so glücklich seyn - sie zu sehen. Es that mir wehe - und ich vermuthete, daß ihre Gesinnungen vieleicht sich geändert - doch hoffe ich noch - auch unten in E. und wo immer Verfolgte mich ihr bild immer - da ist mein ganzer Lebens-lauf - meine Gesundheit wird täglich beßer, und so hoffe ich - bald wieder mehr für meine Freunde leben zu können - vergeßen sie nicht - verdammen sie nicht -

ihren ihnen ewig treu ergebnen

Bthwn

ich komme eben heute in die Stadt - und könnte beynahe meinen Brief selbst übergeben - wenn ich nicht zweifelte - ob es mir nicht zum drittenmal fehl-schlagen könnte sie zu sehn

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 3 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer BBr 93).

 

 

 

 

3.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Vien am 8ten Juni [1808]

Euer Hochwohlgebohrn!

Der Hofmeister des jungen Grafen Schönfeld ist schuld, indem er mir Versichert, daß sie wünschten wieder Werke von mir zu haben, an diesem schreiben - obschon durch so mehrmalige Abbrechu[n]g beynahe überzeugt, daß auch diese von mir gemachte Anknüpfung doch wieder Fruchtloß, Trage ich ihnen in diesem Augenblicke nur folgende Werke an -

2 sinfonien, eine Messe, und <eine Sonate mit>eine Sonate für's Klawier und Violonzell - +Nb. für alles zusammen verlange ich 900 fl.+ - <für jede Sinfonie verlange ich [3]00 fl. für die Meße [zwei]hundert fl, für die Sonaten 100 fl.> - +Meine Eile mag die Sau verzeihen -+ jedoch muß diese Summe von 900 fl. nach Viener Währung in KonwenzionsGeld, Worauf also auch namentlich <der>die Wechsel lauten müßen, ausgezahlt werden - Aus mehrern Rücksichten muß ich bey den 2 Sinfonien die Bedingung machen, daß sie vom 1-ten Juni angerechnet erst in Sechs Monathen herauskommen dörfen - Vermuthlich dörft ich eine Reise gegen den Winter machen, und wünschte daher, daß sie wenigstens im Sommer noch nicht bekannt würden - ich könnte auch dieselbigen Werke an das Industrie-Komtoir hier überlaßen, wenn ich wollte, da sie voriges Jahr auch 7 Große Werke von mir genommen, welche nun beynahe alle schon im Stich zu haben sind - und da sie überhaupt gerne alles von mir nehmen - Jedoch würde ich ihre Handlung, welches ich ihnen schon mehrmal gesagt, vor allen Vorziehen wenn sie nur einmal auch entschloßner mit mir handelten, ich bin überzeugt, daß sie und ich dabey gewinnen würden, sie werden mich in manchen Gelegenheiten nichts weniger als Geld süchtig, sondern eher zuvorkommend und auf allen Nuzen Verzicht leistend finden, auch ließe sich von einer Solchen Verbindung selbst nicht für mich sondern für Kunst überhaupt etwas gutes finden - machen sie mir sobald als möglich ihren Entschluß bekannt, damit ich mich noch bey Zeiten mit dem I.[ndustrie] K.[omptoir] einlassen kann, machen sie, daß wir doch einmal zusammen kommen, und zusammen bleiben - Von meiner Seite werde ich gewiß alles anwenden - immer werden sie mich offen ohne allen andern Rükhalt auch in Diesen Verhältnißen finden - kurzum alles mag ihnen zeigen, wie gern ich Verbindungen mit ihnen eingehe -

ihr ergebenster Lv Beethowen

Man bittet noch einmal um Geschwinde Antwort

 

Von meiner Meße wie überhaupt von mir selbst sage ich nicht gerne etwas, jedoch glaube ich, daß ich den text behandelt habe, wie er noch wenig behandelt worden, auch wurde sie an Mehreren Orten, unter anderm auch bey Fürst Esterhazi auf den NamensTag der Fürstin mit vielem Beyfall gegeben in Eisenstadt, - ich bin überzeugt, daß die Partitur und selbst KlawierAuszug ihnen gewiß einträglich seyn wird -

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt und 1 Einzelblatt, 5 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 69).

 

 

 

 

4.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Heiligenstadt, etwa 10. Juli 1808]

Euer Hochwohlgebohrn!

hier meinen Entschluß auf ihr geehrtes schreiben - Woraus sie gewiß meine Bereitwilligkeit ihnen so viel als möglich entgegen zu kommen sehen werden - erst Schematisch dann das darum und warum - ich gebe ihnen Die Messe, die 2 Sinfonien, die +Violonzell Klawier Sonate mit+, und noch zwei andere Sonaten <oder> für's Klawier oder statt diesen vieleicht noch eine Sinfonie für 700 fl. (Siebenhundert fl. in KonWenzionsGeld[)] - sie sehen, daß ich mehr gebe und weniger nehme - das ist aber auch das aüßerste; - Die Meße müßen sie nehmen, sonst kann ich ihnen die andern Werke nicht geben - indem ich auch drauf sehe, was rühmlich ist, und nicht allein, was nüzlich, "man frägt nicht nach Kirchen-Sachen, sagen sie", sie haben recht, Wenn sie bloß von GeneralBaßisten herrühren, aber laßen sie die Messe einmal zu leipzig im Konzert aufführen, und sehen sie, ob sich nicht gleich liebhaber dazu finden werden, die sie wünschen zu haben, geben sie dieselbe meinetwegen im Klawierauszug mit Deutschem Text, ich stehe ihnen jedesmal wie immer für den Erfolg gut - vieleicht auch mit Subscription, ich getraue mir ihnen von hier aus, ein Duzend auch zwei Duzend prenumeranten zu verschaffen - doch ist das gewiß unnöthig -

sie erhalten, sobald sie übrigens wie ich nicht zweifele meinen Vorschlag annehmen, sogleich die 2 sinfonien, die Sonate mit violonschell, die Messe - die andern zwei KlawierSonaten oder Vieleicht statt dessen eine Sinfonie in Zeit von höchstens <6>4 Wochen darnach - ich bitte sie aber gleich beym Empfang der erstern 4 Werke <mit>mir <die>das <S>Honorar gleich zustellen zu laßen, ich werde Die Sinfonie oder statt dessen die 2 Sonaten in <dies Schema der Werke> die schrift, die sie von mir zu erhalten haben, Schematisch auch eintragen, und schriftlich, damit sie kein Mißtrauen haben, mich verbinden, die Sonaten <in 4 Wochen> oder die Sinfonie ihnen in 4 Wochen zu schicken - die 700 fl. bitte ich sie mir entweder in einem auf 700 fl. KonwenzionsGeld lautenden Wechsel <zu verschreiben>, oder nach dem Börsenkurs am Tage der Erhebung in Vien in Bankozettel zahlbar zu Verschreiben - übrigens mache ich mich verbindlich ihnen mit einem offertorium und graduale zu der Messe in einiger Zeit ein Geschenk zu machen, in diesem Augenblik stehn mir aber beyde nicht zu geboth - ich bitte sie mir aber nun aber so geschwind als möglich, ihren Entschluß bekannt zu machen, andere Modifikationen kann ich nicht eingehen, Es ist das aüßerste, was ich thun kann, und ich bin überzeugt, daß sie diese Sache nicht bereuen werden -

mit Hochachtung ihr ergebenster

Ludwig van Beethowen

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 70).

 

 

 

 

5.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Heiligenstadt, Ende Juli 1808]

Euer Ho[c]hwohlgebohrn!

Auf den Nochmaligen <Auftrag>Antrag von ihnen Durch Wagener antworte ich ihnen, daß ich also bereit bin, sie <die> von <der Messe zu drucken,> dem, was die Messe angeht, völlig zu entbinden - ich mache ihnen also ein Geschenk damit, selbst die Kosten der schreiberei sollen sie nicht bezahlen, fest überzeugt, daß wenn sie solche einmal in Leipzig in ihren Winterkonzerten aufführen haben laßen, sie solche gewiß mit einem Deutschen Text werden versehen, und heraus geben - Was auch damit geschehe, sie gehört einmal ihnen an, sobald wir einig sind, schicke ich ihnen die Partitur davon mit den andern Werken, und werde sie auch in's Schema eintragen, als hätten sie solche gekauft - warum ich sie vorzüglich verbinden wollte diese Messe herauszugeben, ist weil sie mir erstens vorzüglich am Herzen liegt troz aller Kälte unseres Zeitalters gegen d.g., zweitens: weil ich glaubte sie würden solche leichter Vermittels ihrer <Gedruckten> NotenTipen für Gedrukte Noten als andere Deutsche Verleger, bey denen man meistens von Partituren nichts weiß. -

nun zum übrigen: da die Messe wegfällt, erhalten sie nun zwei Sinfonien, eine Sonate mit obligatem Violonzell, zwei Trios für Klawier Violin und Violonzell (da daran Mangel ist) oder statt dieser lezten zwei T.[rios] eine Sinfonie für 600 fl. in Konwenzions-Münze nach dem Kourß, den ich ihnen in meinen erstern zwei Briefen feststellte -

sobald sie <die> dieses eingehen, woran ich nicht zweifle, so können sie die Zahlung in zwei Fristen Theilen, nemlich: sobald ich hier in Vien <ihnen die> an ihren Kommissionär die 2 Sinfonien, und die Sonate mit obligat Violonzell, abgegeben empfange ich einen Wechsel von 400 fl. - in einigen Wochen Drauf werde ich die 2 Trios oder nach ihrem Belieben die sinfonie abgeben, so können sie mir alsden[n] die noch übrigen 200 fl. ebenfalls durch einen Wechsel zukommen laßen - so ist alles zweifelhafte gehoben - Die Partitur von der Meße, wird sobald ich Antwort erhalte, abgeschrieben, und ihnen sicher bey der zweiten Lieferung mitgeschikt -

ich müste mich sehr irren, wenn sie jezt noch Anstand fänden, und sie sehen doch gewiß, daß ich alles thue, um mit ihnen einig zu werden - übrigens können sie überzeugt seyn, daß ich hier <wenigstens> eben so viel für meine Kompositionen erhalte und noch mehr, jedoch ein fataler Umstand ist, daß ein hiesiger Verleger nicht <immer> gleich sondern sehr langsam bezahlt - hier haben sie den Aufschluß hierüber, ich hoffe aber, sie sind edel genug, diese meine Offenheit nicht zu Mißbrauchen - sehe ich übrigens, daß sie sich einmal in etwas rechtes mit mir einlaßen, so werden sie an mir gewiß oft Uneigennüzigkeit wahrnehmen, ich liebe meine Kunst zu sehr, als daß mich bloß Interesse leitete, allein ich habe seit 2 Jahren so manchen Unfall erlitten, und hier in V.[ien] - doch nichts mehr davon -

Antworten sie ja gleich, denn ich habe nun die ganze Zeit ihrentwegen zurückgehalten, wenn sie glauben, daß ich hier nicht könnte dasselbige haben, irren sie sich, es ist keine andere als die ihnen eben angegebne Ursache -

mit Achtung ihr ergebenste[r]

Ludwig van Beethowen

Um alle Konfusionen zu vermeiden, adressiren sie gefälligst ihre Antwort an Wagener, dieser weiß schon wie er mir den Brief zustellt, indem ich auf dem Lande bin -

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt und 2 Einzelblätter, 7 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 71).

 

 

 

 

6.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Vien am 5ten April [1809]

Hochgeehrtester Herr!

Mit vergnügen habe ich ihren Brief empfangen - für den Aufsaz in der M.[usikalischen] Z.[eitung] danke ich ihnen, nur wünsche ich, daß sie bey Gelegenheit, was Reichardt angeht, berichtigen laßen, ich wurde ganz und gar nicht von R. engagirt, im Gegentheil, der oberste Kammerherr +von seiner Majestät des Königs von Westphalen+ Graf Truchseß-Waldburg ließ mir den Antrag und zwar als erster Kapellmeister von Sr. M. von Westphalen machen, Dieser Antrag wurde mir gemacht, noch ehe Reichardt in Vien War, und er wunderte sich selbst darüber, wie er sagte, daß ihm von alle dem nichts zu ohren gekommen sey - R. gab sich alle mögliche Mühe mir abzureden, nicht dahin zu gehen - da ich überhaupt sehr viele ursache habe, den Kharakter des Hr. r. in Zweifel zu <sezen>ziehen, und er vieleicht gar selbst so etwas aus mehrern Politischen ursachen ihnen könnte mitgetheilt haben, so glaube ich, daß ich mehr Glauben auf jeden Fall verdiene, und daß sie bey der nächsten Gelegenheit +Es braucht eben keiner pompfhaften Widerrufung, jedoch muß die Wahrheit an Tag kommen+, die sich leicht finden läst, solches der Wahrheit nach einrücken laßen - da es für meine Ehre Wichtig ist - ich schicke ihnen mit nächster Post alle drey Werke das oratorium, oper, Messe - und verlange nicht mehr dafür, als 250 fl. in KonwenzionsGeld - ich glaube nicht, daß sie sich hierüber Beschweren werden - ich kann eben den Brief nicht finden, worin mir Simrock für die Messe auch 100 fl. in KonwenzionsGeld geben wollte, auch selbst hier könnte ich dieses und noch etwas mehr von der chemischen Druckerey dafür bekommen; - ich mache ihnen keine Schwenke, das wissen sie - ich schike ihnen jedoch alle 3 werke, weil ich überzeugt bin, daß sie mich nicht werden darunter leiden laßen - machen sie die überschriften ganz nach ihrem Beli[e]ben im Französischen -

das nächstemal erhalten sie wieder ein paar Zeilen über das andere - für heut ist es nicht möglich -

ihr ergebenster Freund und diener

Beethowen

Vergeßen sie mir den ersten Kapellmeister ja nicht, ich lache über d.g., aber Es gibt Miserabiles, die so etwas wissen nach der Köche Art aufzutischen

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 76).

 

 

 

 

7.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Wien, 26. Juli 1809]

Mein Lieber Herr, sie irren sich wohl, wenn sie mich so wohl glaubten, wir haben in diesem Zeitraum ein recht zusammengedrängtes Elend erlebt, wenn ich ihnen sage, daß ich seit dem 4ten May wenig zusammen hängendes auf die Welt gebracht beynahe nur hier oder da ein Bruchstück - der ganze Hergang Der Sachen hat bey mir auf leib und Seele gewirkt, noch kann ich des Genußes, des mir so unentbehrlichen Landlebens, nicht theilhaftig werden -

meine kaum kurz geschafne existenz beruht auf einem Lockern Grund - selbst diese kurze Zeit habe ich noch nicht ganz die mir gemachten Zusagen in Wirklichkeit gehen sehen - von Fürst Kynsky einer meiner Interessenten habe ich noch keinen Heller erhalten - und das jezt zu der Zeit, wo man es am Meisten Bedürfte - der Himmel weiß, wie es weiter gehen wird - Veränderung Des Aufenthalts dürfte doch auch mir jezt bevorstehen - die Kontributionen fangen mit heutigem dato an - Welch zerstörendes wüstes Leben um mich her nichts als trommeln Kanonen Menschen Elend in aller Art - meine jezige Lage macht, daß ich schon wieder knickern muß mit ihnen, daher glaube ich, daß sie mir wohl 250 fl in Konwenzions-Münze für die 3 größern Werke schicken könnten, ich glaube eben nicht, daß das auch nur im Mindesten eine beträchtliche Summe ist, und jezt bedarf ich's - denn auf alles in meinem Dekret zugesagt ist in diesem Augenblick nicht zu rechnen -

schreiben sie mir daher, wenn sie diesen Antrag annehmen wollen, die Messe allein konnte ich schon mit 100 fl in Konwenzions-Münze Honorirt haben - sie wissen, daß ich immer offen mit ihnen in d.G. bin -

Hier eine Gute Portion Druckfehler auf die ich, da ich mich mein Leben nicht mehr bekümmere, [um] das, was ich schon geschrieben habe, durch einen guten Freund von mir Aufmerksam gemacht wurde (nemlich in der Violonschell Sonate) ich laße hier dieses Verzeichniß schreiben oder Drucken, und in der Zeitung ankündigen, daß alle, diejenigen welche sie schon gekauft, dieses holen können - Dieses bringt mich wieder auf die Bestätigung der von mir gemachten Erfahrung, daß nach meinen von meiner eigenen Handschrift geschriebenen Sachen am richtigsten gestochen wird - vermuthlich dörften sich auch in der Abschrift, die sie haben, manche Fehler finden, aber bey dem übersehen übersieht wirklich der verfasser die Feler - nächstens erhalten sie das Lied ich "denke dein" welches bestimmt war, in dem Verunglückten Prometheus aufgenommen zu werden, und worauf ich gänzlich ohne ihre Erinnerung vergessen hätte - nehmen sie es als ein kleines Geschenk an - ich danke ihnen jezt erst für die mir wirklich schön übersezten Tragödien des Euripides, ich habe mir unter den für mich bestimmten <angezeigten> Poesien auch aus Kalliroe einiges bezeichnet, das ich in Noten oder Tönen zu bringen gedenke - nur mögte ich die Nammen des Verfassers oder übersezers dieser Tragödie wissen - ich habe bey Traeg den Messias für mich genommen als ein privilegium, welches sie mir schon <still> mit einiger Thätigkeit hier (bey ihrem daseyn) zustellten, freylich habe ich's dadurch weiter ausgedehnt, ich hatte einigemal angefangen wöchentlich eine kleine Singmusik bey mir zu geben - allein der unseelige Krieg stellte alles ein - zu diesem Zwecke und überhaupt würde mir's lieb seyn, wenn sie mir die Meisten Partituren, die sie haben, wie zum B.[eispiel] Mozarts requiem etc. Haidns Messen überhaupt alles von Partituren wie von Haidn Mozart Bach Johann Sebastian bach emanuel etc nach und nach Schikten - Von Emanuel Bachs Klavierwerke habe ich nur einige Sachen, und doch müßen einige jedem wahren Künstler gewiß nicht alle[i]n zum hohen Genuß sondern auch zum Studium dienen, und mein größtes Vergnügen ist es werke die ich nie oder nur selten gesehn, bey einigen wahren Kunstfreunden zu spielen - ich werde schon einige Entschädigung für sie auf eine Art veranstalten, daß sie zufrieden seyn sollen - ich höre, das erste Trio ist hier, ich habe kein Exemplar erhalten, und bitte sie darum, auch würde es mir lieb seyn, wenn sie die andern noch herauszugebenden Werke mir doch noch zur Korrektur schickten, alle Partituren erhalten sie künftig von meiner eigenen Hand, Es sey denn, daß ich ihnen die ausgeschriebenen Stimmen schickte, aus denen man gespielt - sollte ich meinen Aufenthalt verändern, so werde ich's ihnen gleich anzeigen - doch trift mich, wenn sie gleich schreiben, ihre Antwort noch sicher hier - vieleicht wird der Himmel wollen, daß ich doch nicht ganz aufgeben muß, Vien als meinen Beständigen Aufenthalt zu betrachten

Leben sie wohl, ich wünsche, so sehr Es unser wüstes Zeitalter zu läßt, errinnern sie sich ihres

ergebensten Dieners und Freundes

Beethowen

Vien am 26ten Juli 1809

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 1 Einzelblatt und ein Umschlagblatt, 6 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 78).

 

 

 

 

8.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Vien am 15ten Herbstmonath [= Oktober] 1810

Sehr Werther Herr!

Hier was den Anstand wegen dem Quartet betrift, sie sehn, daß es bloß die Kleinigkeit ist, daß, indem das minore gleich zum erstenmal nach dem maggiore widerholt wird, der erste Theil des minore 2 mal, der zweite Theil desselben aber nur einmal darf gespielt werden d.h. ohne Widerholung - mit dem Lied von Faust ist es schwer zu dienen, da ich gar keine Abschrift davon habe - <der>das <Text> erste ist, daß alle Strophen müßen ausgeschrieben werden, nicht in den Abkürzungen, wie ich es gemacht habe, das sicherste Mittel ist, daß sie mir es auf ein kleines blättchen, worauf nur das obere Sistem des Klawiers und das sistem des gesanges geschrieben, schiken, wie sie es stechen, so werde ich schon sehen, obs recht

beym 2ten adagio +des quartets+ <in as> hatte ich etwas wegen dem tempo bemerkt, ist das auch beherzigt worden - sorgen sie ja und gehn sie doch ein, weswegen ich sie oft gebeten, schiken sie ein probe exemplar, aber auch die Manuskripte, man klagt über die Unrichtigkeit des Stichs, und ich habe bemerkt, daß auch die klärste schrift gemißdeutet wird - wir haben noch neulich die 4stimmigen Gesänge und andere von Haiden von ihnen gestochen durchgegangen und habe unglaubliche Fehler und auch viele derer gefunden - ist, was ich wegen der Sinfonie angegeben, geändert im dritten Stück 2 Täkte zuviel, ich erinnere mich dunkel, daß sie mich deswegen fragten, aber ich hatte vieleicht vergessen, ihnen dieses gleich zu beantworten, und so sind sie stehen geblieben -

warum ich die Manuskripte begehre mit dem probe exemplar ist, weil ich beynahe keins besize, weil wohl hier und da ein guter Freund mich darum begehrt, so hat die Partitur vom Konzert der Erzherzog und gibt sie mir nicht mehr wieder - ich bitte sie, obschon ich überzeugt bin, daß die Manuskripte diesmal gewiß so Richtig als nur Menschenmöglich sind, doch es nicht wieder wie bey den terzetten und andern sachen drauf ankommen zu laßen, Es ist auch unangenehm für den autor sein Werk nicht korrekt zu wissen - Nb: sollte sich bey dem lezten Stück beym Egmont nicht die überschrift SiegesSimphonie finden, so laßen sie dieses drüber sezen - eilen sie damit, und zeigen sie mir gefälligst an, sobald sie die originalpartitur nicht mehr brauchen, weil ich sie <dann>alsdenn bitten werde von Leipzig aus, sie an Göthe zu schicken, dem ich dieses schon angekündigt habe, ich hoffe, sie werden nichts dagegen einwenden, indem sie vermuthlich ein so großer Verehrer als ich von ihm seyn werden - ich hätte ihm von hier aus eine Abschrift geschikt, aber, da ich noch keinen so gebildeten Komponisten habe, auf den ich mich ganz verlaßen kann, und mir die Qual des übersehens gewiß ist, so habe ich es so für beßer und für mich weniger zeitverlierend gefunden -

Was die Variationen angeht "der titel: Veränderungen Seinem Freunde oliva gewidmet von etc in einigen Tägen erhalten sie die orgelStimme zur Meße und die Posaunen zum oratorium sollte wohl ein richtiger mit der Musik gehender deutscher Text zu der Meße untergelegt werden können -

die oper lenore, <gewidmet> meinem Freunde dem Hr. Steffan von Breuning kaiserl. königl. HofSekretair beym HofkriegsRath gewidmet vom Verfasser Ludwig etc

Die Messe gewidmet dem Herrn von Zmeskall Nb: hier müßen noch einige <ungarisirte> anhängsel folgen, die mir in dem Augenblik nicht einfallen - die Lieder der <gräfin> <fürstin Von Kynsky> Sr. Durchlaucht der Frau Fürstin Kynsky gebohrne Freyin von Kerpen. -

sie sollten das "ich denke dein" zu dieser sammlung hinzuthun, ich habe es so allein gestochen gesehn, und auch hier in irgendwo ein falscher Mordent angebracht, da ich's nicht habe, erinnere ich mich nicht wo - noch Eins: sie sollten "den Gesang aus der Ferne["] den ich ihnen einmal schickte nun gleich herausgeben Wenn's noch nicht geschehen ist, die Poesie ist von diesem lumpen Reißig, damals war es noch nicht heraus, und es währte beynahe ein halbes Jahr, bis dieser Lump es "wie er sagte" nur für seine Freunde <stech>gestochen gab bey artaria - ich schickte es ihnen auf der Briefpost und erhielt statt Dank stank

die 50# können <wohl>sind angekommen, <seyn>, aber ich war noch nicht hier, und der Briefträger, wollte sie niemand andern anvertrauen - ich werde mich gleich erkundigen - mit nächster Post gehn alle andern Kompositionen, die zu schicken, an sie ab, sie können also mir die übrigen 100 0 und noch 30 Thaler in KonwenzionsGeld übermachen, In Folge, daß sie mir in ihrem ersten Briefe gleich 80 Thaler <von>für Partituren angetragen, und sich nun selbst wieder auf nur 50 gemäß der Anweisung an Traeg heruntergesezt haben, so nehme ich zwar für 50 Thaler Partituren, aber ich bitte mir die 30 in Geld hier anzuweisen - hierzu, da ich ihnen doch schon manche Kleinigkeiten unentgeldlich gegeben, wofür sie mir die Musik. Zeitung und schon damals das offert einiger Partituren gemacht, können sie mir denn die Musik. Zeitung, die schon nach ihrem schreiben mehrmals für mich auf dem weg war einmal endlich für mich ankommen machen nebstbey mögte ich alle Werke von Karl Philip Emanuel Bach, die ja alle bey ihnen verlegt worden - nebstbey von J. Sebastian Bach eine missa worin sich folgendes Crucifixux mit einem Basso ostinato, der ihnen gleichen soll, befinden soll nemlich:

[hier folgt ein Notenbeispiel]

nebstbey sollen sie die Beste Abschrift haben von Bachs temperirten Klawier diese bitte ich mich auch anheim <mit>kommen zu lassen -

Hier haben sie das ultimatum von dem wird aber nichts nachgegeben, ich gebe sodann denn schein über das Eigenthumsrecht - ohnedem darf ich nicht laut werden laßen, was ich bekommen - Wegen der Herausgabe aller meiner Werke diese sache muß erst reiflicher überlegt werden, und ich werde mich dann hierüber näher erklären - satis est hoffe ich, merken sie alle Umstände, die ich beschrieben, und über die ich geschrieben - leben sie wohl und erfreuen sie mich bald mit ihren Zeilen

ihr ergebenster Diener und Freund

Beethowen

 

Es ist eine Abscheuliche Lüge, daß mir der Herr Rittmeister Reißig je etwas bezahlt habe für meine Kompositionen, ich habe sie ihm aus freundschaftlicher Gefälligkeit komponirt, indem er damals Krüppel und mein Mitleiden erregte - indem ich dieses schreibe erkläre ich Hr. Breitkopf und Hertel als einzigen Eigenthümer derjenigen Gesänge, welche +ich ihm Geschikt, und von welchen die Poesie von Rittmeister Reißig ist -

Vien am 15ten Herbstmonath 1810

Ludwig van Beethowen+

 

Quelle: Autograph, 2 Doppelblätter und 2 Einzelblätter, 11 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 92 und Br 91, Nachschrift).

 

 

 

 

9.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Wien, 19. Februar 1811]

P.P.

Wenn sie drauf bestehen, so will ich ihnen die Orgelstimme doch schicken - gleich Antwort. sie schreiben nichts, ob sie die Messe und oratorium in Partitur heraus geben, und Wann? -

hier der Verlangte Schein -

Dr. Schreiber werde ich gern Danken für seine Übersezungen - daß sie die Fantasie zur correctur schicken und überhaupt es hierin immer so machen sollten, ist endlich recht, schicken sie jedoch die 2te oder 3te Korrectur, pfeilschnell wirds wieder in ihren Händen seyn -

die Mus. Zeitung erwarte ich, und werde darüber den Schein ausstellen, daß sie mir damit ein Geschenk gemacht haben!!!!! das übrige von Riotte hol der Teufel, Es liegt nichts dran - die Frage mit allen den Nummern op. 40 etc etc ist so geschwind nicht beantwortet, indem ich fast außerdem, was sie mir neuerdings von meinen Werken geschikt, keine Note von meinen schon herausgekommenen Werken habe -

wenn die <Poesie> Gedichte, die sie mir schicken wollen, nebstdem daß sie Musikalisch auch poetisch sind, so würde ich mich schon herbey laßen sie zu schreiben -

Nach Italien wollte ich anfangs winters, aber wider Vermuthen wollte der Arzt es nicht zugeben - überhaupt möchte ich einmal Weg von hier - meine jezigen Verhältniße sind eben nicht ohne Zwang und manchen zeitverderbenden ZeitVerlust - ich bitte sie mich in ihrem Andenken zu erhalten; -

ganz ihr ergebenster diener

Beethowen

Vien am 19ten Febru 1811

 

Quelle: Autograph, 2 Blätter und 1 Umschlagblatt, 4 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 93).

 

 

 

 

10.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Vien am 28ten Februar 1812

Also im sachsen Lande sagt man so grob wie ein Tonkünstler, und dies wäre wircklich der Fall bey <ihnen> mir gewesen, indem ich ihnen im Scherz mitunter einige wahrheiten sagte - für heute kann ich nichts weiter als das nöthigste schreiben, Gute Laune sagen sie leuchtete aus meinem Briefe, der Künstler muß oft sich in alle werfen können, und so kann auch diese erkünstelt gewesen seyn, ich bin es eben jezt nicht, das Ereigniß mit dem Erzherzog Rudolf hat fatale Folgen für mich, wenn mir nur der Himmel Geduld giebt, bis ich die Fremde erreicht, so bin ich wieder im Stande mich selbst in mir selbst zu finden, welches das einzige mögliche Gut für den Menschen und besonders Künstler ist. - nur Geduld, doch wenn mir alles Versagt ist, so finde ich mich wieder in der Natur und auch sogleich wieder in meiner Himlischen Kunst einziges wahres Göttergeschenk des Himmels, jezt wo der Frühling zwar sich bloß noch wittern läßt, lebt auch meine Hoffnung wieder auf. - ich war wieder mehrere mal sehr starken Anfällen auf meine Gesundheit ausgesezt, der Winter benimmt mir beynahe alle Vortheile des Sommers hier doch nun geht es beßer, und hoffe Fortdauer. - sie haben mir einmal einen Brief über eine Art von Simphonie geschrieben, aber ich kann ihn nicht mehr finden, Es war beynahe eine eben solche Idee, die ich schon selbst gefaßt hatte. - schicken sie mir die 3 lieder von Göthe doch sogleich. - mir sind sie vieleicht von einigem Nuzen. - +nicht um eines Geschenkes willen. -+ daß sie wenig hier absezen glaube ich gern, aber mehrere sachen muß ich noch weniger gerne glauben, sie sind doch. -

die Gesänge von <aus> Egmont sind sie noch nicht gestochen? Mozarts requieem [sic] und don giovanni habe ich nie erhalten - nie - Traeg hat ihn nie gehabt, und von ihnen habe ich ihn nicht, da sie mich immer an T.[raeg] angewiesen haben - halten sie einmal wort mit sonstigen sachen, die sie mir schicken wollten - Die Poesien von ihnen sollen benüzt werden, und liegen dazu auch immer bereit. - die Missa, <was>wann wird sie den andächtgen Katholiken vorgelegt werden? -

leben sie wohl, halten sie mich in ihrem guten Andenken und machen sie sich bereit, wenn ich in die nähe komme, bessere # im Vorrath zu haben als sie mir schon geschickt, sindsind [= sie sind] ihnen wahrlich durch einen Seeraüber zu Theil worden, da sie sich aus allen Welttheilen herschreiben. -

ihr ergebenster

ludwig van Beethowen

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 3 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 99).

 

 

 

 

11.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Wien, um den 25. Mai 1812]

P.P.

sogleich schicke ich die Messe, erzeigen sie mir nur ja nicht den Schabernack, daß sie dieselbe großmüthig mit großen Fehlern geschmückt dem Publikum schenken - da sie so spät herauskommt, soll die Dedikation geändert werden, nemlich an Fürst Kynsky das weitere Titularium deswegen erhalten sie - Es muß so seyn - ob sie mich im Norden sehn werden, wer kann in dem Chaos, worin wir arme Deutsche leben, bestimmen -

leben sie wohl ich schreibe 3 neue sinfonien, wovon eine bereits vollendet, habe auch für das Ungarische Theater etwas geschrieben - aber in der Kloacke, wo ich mich hier befinde, ist das alles so gut, wie verloren - wenn ich mich nur nicht se[lbst]* ganz verliehre -

leben sie recht wohl freuen sie sich, daß es ihnen besser geht, als andern armen Sterblichen -

ihr ergebenster Beethowen

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 3 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 101).

 

 

 

 

12.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Tepliz am 17ten Juli (1812)

wir sagen ihnen nur, daß wir unß seit 5tem Juli hier befinden, wie? - davon läßt sich noch nicht viel sagen - im ganzen gibt es nicht so interessante Menschen als voriges Jahr, und wenig - Die Menge schenirt weniger als wenige - Meine Wohnung ist noch nicht, wie ich wünsche, doch hoffe ich bald eine erwünschtere zu haben -

Die Korrektur von der Messe werden sie erhalten haben - ich habe beym Anfang des gloria stat

C X Takt und verändrung des Tempo geschrieben, so war es anfangs angezei[g]t, eine schlechte Aufführung, wobey man das Tempo zu geschwind nahm, verführte mich dazu, da ich nun die Meße lange nicht gesehn hatte, fiel es mir gleich auf, und ich sah, daß man so was denn doch dem Zufalle leider überlaßen muß - im Sanctus können irgendwo <zeigen>angezeigt werden, daß man <die>bey der Enharmonischen Verändrung <mit>die been weglaßen könne, und statt dessen nur Kreuztöne beybehalte, nemlich

[Notenbeispiel]

bey unsern Köhren konnte ich diese stelle nicht rein singen hören, ohne daß der Organist still den den [sic] 7timen accord angab - bey ihnen mögen sie beßer seyn, - gut wird es wenigstens seyn, irgendwo anzuzeigen, daß man statt den been die A ze nehmen könne bey dieser Stelle, wie sie hier angezeigt ist, versteht sich daß sie eben so wie hier gestochen beygefügt werde - Göthe ist hier - leben sie wohl - und laßen sie mich bald etwas wißen von ihrem Wirken -

ihr ergebenster

ludwig van Beethowen

[es folgt eine Nachschrift, hier nicht zitiert!]

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Seiten; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 102). Letzter Absatz u. Adresse: 1 Blatt, 1 beschriebene Seite; Washington, Library of Congress (ML96.W56B441 Nr. 7).

 

 

 

 

13.)   an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Franzensbad, 9. August 1812]

 

Franzens Brunn bey Eger am 9ten aug. +das Klima ist so hier,

daß man schreiben könnte am 9ten November.+ 1812

Nur das Nothwendigste: Der titel zur Messe fehlt ihnen, und mir ist manches zu Viel, des badens, Nichts thuns, und etc <alle>sonst übrigen Unvermeidlichen Zu und Auffälligkeiten bin ich müde - sie sehn und denken <sie> mich nun hier, Mein arzt treibt mich von einem ort zum andern um endlich die Gesundheit zu erhaschen, von Tepliz nach Karlsbad, von da hieher, in K.[arlsbad] spielte ich den sachsen und Preußen etwas vor zum besten der Abgebrannten stadt Baden, es war so zu sagen ein armes Konzert <zum Besten der> für die armen - der Signore polledrone half mir <dazu>dabey und nach dem er sich einmal wie gewöhnlich abgeänstigt hatte spielte er gut -

<Dem> "Seine Durchlaucht dem Hochgebohrnen Fürsten Kynsky" so was ähnliches mag der titel in sich enthalten - und nun muß ich mich enthalten ferner zu schreiben, dafür muß ich mich wieder im wasser herum plätschern kaum habe ich mein inneres mit einer tüchtigen quantität desselben anfüllen müßen, so muß ich nun auch wieder das aüssere um und um bespülen lassen - nächstens beantworte ich erst ihr übriges schreiben -

Göthe behagt die Hofluft zu sehr mehr als es einem Dichter ziemt, Es ist nicht vielmehr über die lächerlichkeiten der Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nation angesehn seyn sollten, über diesem schimmer alles andere vergessen können -

ihr Beethowen

so eben habe ich um den ganzen Titel des Fürsten Kynsky geschrieben, sie erhalten ihn so doch noch zeitig genug, da ich vermuthe, daß sie die Messe nicht vor Herbst heraus geben -

 

Quelle: Autograph, 1 Doppelblatt, 3 beschriebene Seiten und 1 Zettel, 1 beschriebene Seite; Bonn, Beethoven-Haus (Slg. H.C. Bodmer Br 103).

 

 

 

 

14.)   an B. Schott's Söhne in Mainz

vien[, 7. Mai 1825]

Euer Wohlgebohrn!

Im Begriff auf's Land zu gehen, u. eben in der Reconvalescenz  von einer Gedärm Entzündung schreibe ich ihnen nur einige worte -

bey der Stelle des opferliedes zweite Strophe wo es heißt

[Notenbeispiel]

wünschte ich, daß man diese stelle so, wie ich sie hier schreibe, eintragen möchte, nehmlich

[Notenbespiel]

das quartett werden sie nun schon erhalten haben Es ist dasselbe ihnen versprochene; ich konnte hier von mehrern verlegern ein Hon. von 600 dafür haben, allein ich habe es vorgezogen, ihnen mein Wort zu halten -

Es hat jemand zu meiner Meße in C einen vortrefflichen deutschen Text gemacht ganz anders als den Leipziger, wollten sie wohl selbe mit dem neuen Texte neu auflegen - von geringern werken hätte ich 4 Gelegenheitlich geschriebene Märsche für ganze Türkische Musick nebst einem Gratulations Menuet, das Honor. wäre 250 # in Gold - wegen der Herausgabe der sämtl. werke habe ich die Papiere vor mir, u. werde ihnen nächstens das Nöthige hierüber vorlegen können, wenn ihnen anders noch daran gelegen ist - wegen Hennings-Streiche hoffe ich nicht, daß sie Mißtrauen in mich haben, falls aber, will ich ihnen seinen Brief [vorlegen], worin er von allem abgeht die overt. betreffend, die sache wurde hier schriftlich mit Bethman abgeschloßen, der bekanntlich sich mit der Gesellschaft zertragen. -

 

Nb: Es ist auch nachzusehn, ob beym Chor des Opferliedes auch bey der Violonschellstimme  tutti i Violoncelli angezeigt ist, wo nicht, muß es geschehen. -

 

An die Herrn B. Schott Söhne, Hofmusik Verleger in Mainz

 

Quelle: Autograph (Adresse von der Hand des Neffen Karl), 2 Blätter (ursprünglich 1 Doppelblatt), 3 beschriebene Seiten; Mainz, Stadtbibliothek (Hs III 71, Nr. 15 und 16).